Wegen dem oder wegen des? Genitiv, Dativ und die Umgangssprache

Die kurze Antwort

In der Standardsprache steht nach „wegen“ der Genitiv: wegen des Regens. „Wegen dem Regen“ ist umgangssprachlich verbreitet, im geschriebenen Text aber nicht empfohlen.

Die Kurzregel: „Wegen“ verlangt den Genitiv. Schreibst du einen Brief, eine Bewerbung oder einen Aufsatz, heißt es wegen des Wetters, wegen der Kinder, wegen eines Fehlers. Der Dativ (wegen dem Wetter) gehört in die gesprochene Sprache.

Die Regel

„Wegen“ ist eine Präposition, die einen Grund angibt. Wie viele Präpositionen, die aus einem Substantiv entstanden sind (hier aus „Weg“), regiert sie im Standarddeutschen den Genitiv. Das erkennst du am Artikel: des, der, eines, einer. Bei starken Substantiven bekommt das Wort selbst eine Genitivendung: wegen des Sturms, wegen des Kindes.

Der Merksatz

Wegen des Weges, nicht wegen dem Weg. Wer sich „wegen“ als Kurzform von „von Wegen“ vorstellt, landet automatisch beim Genitiv: von des Regens wegen.

Fünf Beispiele

  • Der Zug fiel wegen des Unwetters aus.
  • Wegen der Renovierung bleibt das Café geschlossen.
  • Sie kam wegen eines Termins zu spät.
  • Wegen der hohen Preise kaufen viele weniger ein.
  • Er wurde wegen seines Mutes ausgezeichnet.

Die Ausnahmen

Es gibt drei Fälle, in denen der Dativ auch in der Standardsprache erlaubt ist:

  • Plural ohne Artikel: Wenn der Genitiv im Plural nicht erkennbar wäre, weicht die Sprache auf den Dativ aus: wegen Geschäften (nicht: wegen Geschäfte).
  • Zwischen zwei Genitiven: wegen Peters Auto ist möglich, weil wegen Peters Autos zu viele s-Laute stapelt.
  • Pronomen: wegen mir ist umgangssprachlich, die gehobene Form lautet meinetwegen. Ebenso deinetwegen, seinetwegen, unseretwegen.

Alleinstehende Substantive ohne Artikel bleiben im Singular ohne Endung: wegen Umbau, wegen Krankheit.

Mini-Quiz

1. „Wegen ___ Stau kam er zu spät.“ Genitiv oder Dativ?

Standardsprachlich: wegen des Staus. Im Gespräch hörst du oft „wegen dem Stau“, das ist aber nicht schriftreif.

2. Was ist die gehobene Form von „wegen mir“?

Meinetwegen. Das Wort ist eine Verschmelzung aus „meinet“ (altes Genitivpronomen) und „wegen“.

3. „Wegen Geschäften verreist“: richtig oder falsch?

Richtig. Im Plural ohne Artikel ist der Dativ erlaubt, weil der Genitiv (wegen Geschäfte) nicht als solcher erkennbar wäre.

Häufige Fragen

Ist „wegen dem“ falsch?

Nicht falsch, aber umgangssprachlich. In Texten, die bewertet werden (Schule, Beruf, Bewerbung), solltest du den Genitiv verwenden.

Gilt die Regel auch für „trotz“, „während“ und „aufgrund“?

Ja. Alle drei regieren im Standarddeutschen den Genitiv: trotz des Regens, während der Fahrt, aufgrund eines Irrtums. Bei „trotz“ und „während“ ist der Dativ regional ebenfalls verbreitet.

Warum sagen so viele Menschen „wegen dem“?

Der Genitiv verliert in der gesprochenen Sprache seit Jahrhunderten an Boden. Der Dativ ist einfacher zu bilden und klingt für viele natürlicher. Die Standardsprache hält aber am Genitiv fest.

Weitere Sprachfragen

Häufige Fragen

Wegen dem oder wegen des? Genitiv, Dativ und die Umgangssprache

In der Standardsprache steht nach „wegen“ der Genitiv: wegen des Regens. „Wegen dem Regen“ ist umgangssprachlich verbreitet, im geschriebenen Text aber nicht empfohlen.